| Vollständiger Name | Frank Vincent Zappa |
|---|---|
| Jahre aktiv | 1955-1993 |
| Sterbedatum | 04.12.1993 |
| Offizielle Website | http://www.zappa.com |
Frank Vincent Zappa (* 21. Dezember 1940 in Baltimore, Maryland; † 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Los Angeles) war ein US-amerikanischer Musiker und Komponist. Er veröffentlichte zu Lebzeiten 62 Musikalben. Zappa wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und erhielt zwei Grammy Awards.
Wirken
Zappa hat die Rockmusik erheblich beeinflusst, sowohl durch seine von Stilanleihen und rhythmischer Vielfalt geprägten Kompositionen als auch durch seine Texte. Diese nahmen Bezug auf Popkultur und Zeitgeschehen und waren oft satirisch oder auch dadaistisch-absurd geprägt. Zappa betätigte sich auch als Musikproduzent und Filmregisseur und komponierte orchestrale Stücke. Sein Hauptinstrument war die E-Gitarre, er war aber auch oft als Sänger zu hören und spielte Schlagzeug, E-Bass und Keyboard. Charakteristisch für Zappa waren seine mitunter in größeren dramaturgischen Zusammenhängen gestalteten Bühnenshows, seine (Musik-)Filme, die als Vorbild für die Bildästhetik des Musikfernsehens gesehen werden können, sowie sein Wirken als autarker Musikproduzent, der alle Schritte der Produktentstehung steuerte und beeinflusste.
Leben
Frank Zappa wurde am 21.
Bis zu seinem Highschool-Abschluss im Jahr 1958 hatte Zappas Familie acht Mal den Wohnort gewechselt. Zappas Schulausbildung erfolgte an drei Highschools und drei Colleges. Die wiederholten Umzüge und die ständigen Krankheiten in Zappas jungen Jahren beeinflussten seine Persönlichkeitsentwicklung. Er wird als jemand beschrieben, der nur schwer Freundschaften schließen konnte und galt als Eigenbrötler und Workaholic. Er zog sich vor allem auf sich selbst zurück und ging seinen künstlerischen Neigungen nach. Der grafisch talentierte Schüler gewann zwei Gestaltungspreise, seine ersten Kompositionen entstanden in dieser Zeit. An der Highschool durfte Zappa das Schulorchester dirigieren, als Collegestudent schrieb er die Musik für einen Hollywood-Film. Nachdem er das Musikstudium nach einem Semester abgebrochen hatte, beschäftigte er sich zunächst mit Grafik und Musik. Am College lernte er Kay Sherman kennen; das Paar heiratete am 28. Dezember 1960 und wohnte östlich von Los Angeles in Ontario. Beide waren berufstätig, sie als Banksekretärin, er unter anderem als Gestalter von Grußkarten, Handelsvertreter für Enzyklopädien und Schmuck und als Angestellter einer Werbeagentur. Dann wandte er sich mehr und mehr der Musik zu. Ab 1961 arbeitete er im Pal Recording Studio in Cucamonga, außerdem spielte er in unterschiedlichen Bands. Die Ehe mit Sherman hielt nicht lange und blieb kinderlos. Das Paar wurde Anfang 1964 geschieden. Für das Verständnis einiger seiner Texte ist ein Zwischenfall bedeutsam, der sich im Frühjahr 1965 im Studio Z zugetragen hat, dem ehemaligen Pal Recording Studio, in dem Zappa inzwischen wohnte. Für die akustische Untermalung eines „Herrenabends“ sollte er ein Tonband mit Geräuschen sexueller Aktivitäten produzieren. Zappa und seine damalige Freundin setzten sich vor die Studiomikrofone und erledigten den Auftrag. Beide wurden einige Tage später bei der Übergabe des Bandes verhaftet – der Auftraggeber entpuppte sich als Detective Sergeant der Bezirkspolizei. Zappa wurde wegen „Verschwörung zur Pornografie“ zu sechs Monaten Haft verurteilt. Zehn Tage Haft musste er absitzen, die Reststrafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Rockjournalist Barry Miles beschreibt die für Zappa bedeutsame Episode ausführlich und schlussfolgert: „Zelle C war ein Trauma fürs Leben, und in mancherlei Hinsicht war er den Rest seiner Karriere damit beschäftigt, sein pornografisches Tonband Amerika in den Rachen zu stopfen, immer und immer wieder. Er würde den Amerikanern schon zeigen, wie ihr Land wirklich war.“ Im Sommer 1966 lernte Zappa Adelaide Gail Sloatman kennen, die als Assistentin von Elmer Valentine arbeitete, dem Besitzer der Clubs Whisky a Go-Go und Trip in Los Angeles. Im September 1967 – wenige Tage vor der ersten Europatournee seiner Band Mothers of Invention – heiratete Zappa seine hochschwangere Freundin. Noch während die Band in Skandinavien unterwegs war, wurde Tochter Moon geboren. Im Frühjahr und Sommer 1968 wohnte er in einer Blockhütte im Laurel Canyon, 2401 Laurel Canyon Boulevard, und erwarb dann für seine wachsende Familie ein in der Nähe gelegenes Haus mit Grundstück, 7885 Woodrow Wilson Drive, wo er bis zu seinem Tod lebte. Dort wurden auch die Söhne Dweezil (1969), Ahmet (1974) und die Tochter Diva (1979) geboren. Im Dezember 1971 wurde Zappa bei einem Auftritt in London von einem Fan von der Bühne gestoßen; danach litt er sein Leben lang an chronischen Rückenschmerzen. Er hatte ein Loch im Hinterkopf und ein gebrochenes Bein. Bei dem Sturz war auch Zappas Kehlkopf in Mitleidenschaft gezogen worden; es wird vermutet, dass dies der Grund war, dass er später mit tieferer und heiserer Stimme sang. Von kürzeren Aufenthalten in New York (März 1967 bis Mai 1968) und London (Dezember 1970 bis April 1971) abgesehen, lebte Frank Zappa ab Mitte 1965 in den nördlichen Stadtbezirken von Los Angeles. Ende der 1970er Jahre entschloss er sich, neben seinem Wohnhaus das Tonstudio Utility Muffin Research Kitchen bauen zu lassen, das am 1. September 1979 den Betrieb aufnahm. Damit unterlag die Veröffentlichung seiner Musik – einschließlich Produktion und Vertrieb – fast vollständig seiner Kontrolle. Im November 1991 wurde bekannt, dass Zappa an Prostatakrebs erkrankt war, wobei sich die Erkrankung zum Diagnosezeitpunkt schon in weit fortgeschrittenem Stadium befand. Zappa starb am 4. Dezember 1993 mit 52 Jahren und wurde in einem anonymen Grab auf dem Friedhof Westwood Village Memorial Park Cemetery in Los Angeles beigesetzt, nur wenige Meter von Roy Orbison entfernt. Musikalischer Werdegang Prägung Seine erste Schallplatte erhielt Zappa als Geschenk zu seinem siebten Geburtstag: All I want for Christmas Is My Two Front Teeth von Spike Jones and his City Slickers. Dessen Art, Humor mit Musik zu verbinden, hatte einen nachhaltigen Einfluss nicht nur auf Zappas Kompositionen, sondern auch darauf, wie er seine Livekonzerte gestaltete. Zu Zappas frühen musikalischen Einflüssen zählt auch arabische Musik. Er sagte: „Irgendwo hörte ich das und war sofort begeistert.“ Im Radio hörte er als 13-Jähriger Gee von den Crows und „I“ von den Velvets. Der erste Tonträger, den sich Zappa selbst kaufte, war die 78er-Schallplatte Riot in Cell Block Number 9 (von 1954) von den Robins. Zappa selbst nannte die frühe Rhythm-and-Blues-Musik einen „Haupteinfluss – und vielleicht das, was mir wirklich die Ohren öffnete“. Die Zuneigung zur Doo-Wop-Musik der frühen 1950er Jahre findet sich über seine gesamte Schaffenszeit hinweg in etlichen Kompositionen wieder. Eine wichtige Begegnung mit Orchestermusik hatte Zappa, als er in den frühen 1950er Jahren seine erste Langspielplatte gebraucht kaufte. Er war durch einen Zeitungsartikel auf sie aufmerksam geworden und hatte schon länger nach ihr gesucht: The Complete Works of Edgar Varèse, Vol. 1, eingespielt vom New York Wind Ensemble und dem Juilliard Percussion Quartet. Besonders angetan hatte es ihm Ionisation – ein Stück für 13 Schlagzeuger und einen Pianisten. Er war von den Kompositionen so begeistert, dass er sich zum 15. Geburtstag ein Ferngespräch mit Varèse wünschte. In den Fußnoten auf der Varèse-Plattenhülle wurden auch die Komponisten Béla Bartók, Igor Strawinsky und Anton Webern genannt. Zappa begann umgehend, sich nach Aufnahmen mit Werken dieser Vertreter der Neuen Musik umzusehen. Varèses Texturschichtungen und Collagen, seine Experimente mit Geräuschen, Stimmen, Tonbändern, Elektronik und Perkussion, und auch das Provokationspotenzial seiner Musik haben Zappa, so Musikwissenschaftler Hans-Jürgen Schaal, tief beeindruckt. Der junge Zappa war von der Musikdarstellung in Form von Noten fasziniert. Das war ein wichtiger Antrieb für ihn, selbst zu komponieren, aber auch eine Erklärung für den Stil mancher seiner Kompositionen. Sein Biograf Barry Miles zitiert ihn zunächst mit den Worten: „Ich mag es einfach, wie Noten auf dem Papier aussehen“; er ergänzt diesen Satz um ein weiteres Zitat, in dem Zappa über seine frühen Kompositionen sagte: „Ich hatte nicht den leisesten beknackten Schimmer, wie es klingen würde.“[12] Als Gitarrist wurde Zappa von Rhythm-and-Blues-Gitarristen wie Johnny „Guitar“ Watson, Clarence „Gatemouth“ Brown, Eddie Jones und Matt Murphy beeinflusst. Im Begleittext zu seinem ersten Album Freak Out! nannte er außerdem, neben anderen, Howlin’ Wolf und John Lee Hooker. Frühe Bands und Projekte 1955 trat Zappa als Schlagzeuger der R&B-Band The Ramblers an der Highschool in San Diego bei, woraufhin ihm seine Eltern sein erstes Schlagzeug kauften.[15] Nach zwei Umzügen seiner Familie gründete Zappa 1957 in Lancaster die R&B-Gruppe The Black-Outs, in der unter anderem Jim „Motorhead“ Sherwood mitspielte. Nach Zappas Ausstieg im Jahr 1958 nannte sich die Gruppe The Omens.[16] Außerdem spielte er in der Antelope Valley High School Big Band mit. Das Quartett The Boogie Men gründete Zappa im Frühjahr 1961, löste es aber kurze Zeit später wieder auf. Im Sommer 1961 hauchte Zappa den Black-Outs neues Leben ein, nur dass er dort jetzt Gitarre statt Schlagzeug spielte. Um Geld zu verdienen, war er außerdem Mitglied der Tanzkapelle Joe Perrino & The Mellotones. Ab 1962 kümmerte sich Zappa vor allem um Studioprojekte. Mit Ray Collins absolvierte er 1963 einige Auftritte als Sin City Boys und als Loeb & Leopold. Außerdem gründete er die kurzlebige Gruppe The Soots, in der unter anderem Captain Beefheart mitspielte. Die Studioarbeit warf nicht die erhofften Erträge ab, daher gründete Zappa 1964 die Tanzband The Muthers. Außerdem war er Mitglied der Hausband in dem Club The Village Inn. Zappa arbeitete in den ersten Jahren nicht nur als Musiker, sondern verfolgte auch andere Projekte: 1959 schrieb er die Musik für den Low-Budget-Film Run Home, Slow (1965, Regie: Ted Brenner). Aufgenommen wurde die Musik aber erst 1963. Der Film selbst hatte am 15. Dezember 1965 Kinopremiere. Ein weiteres Filmmusikprojekt, für das Zappa im Juni 1961 engagiert wurde, war der B-Film The World’s Greatest Sinner (1962, Regie: Timothy Carey). Im November 1961 wurde Zappa für Paul Buff in dessen Pal Recording Studio tätig. Dort arbeitete er als Studiomusiker, Komponist, Tontechniker und Produzent mit etlichen Künstlern, die lokale Bedeutung besaßen, zusammen und nahm eine Vielzahl von Singles auf. Als Buff im Sommer 1964 den Auftrag erhielt, für ein anderes Tonstudio tätig zu werden, kaufte Zappa das Pal Studio und benannte es in Studio Z um.[20] Als Perkussionist und mit eigenen Filmbeiträgen war Zappa im Mai 1962 an einem Multimedia-Experimental-Projekt von Don Preston beteiligt, der dazu unter anderem auch Bunk und Buzz Gardner um sich versammelt hatte. Zappas Bestreben, im Musikgeschäft bekannt zu werden, verdeutlichen zwei Ereignisse des Jahres 1963. Im März trat er als Gast in der bekannten Steve Allen Show im Fernsehen auf und gab dort sein Concerto for Two Bicycles zum Besten. Dass Zappa bei Allen, einem bekannten Jazzmusiker, keine Gelegenheit erhielt, als junger Komponist ernst genommen zu werden, sondern stattdessen nur auftreten konnte, weil er eine dadaistische Avantgarde-Performance darbot, bezeichnet der Musikjournalist Hans-Jürgen Schaal als „überlegene Sozialsatire, aber auch erste Resignation“. Etwa zwei Monate später kam es am Mount St. Mary’s College in Los Angeles zu dem Konzert The Experimental Music of Frank Zappa, bei dem etliche Partituren Zappas von Studenten des Collegeorchesters gespielt wurden. 1964 suchte die Gruppe The Soul Giants einen neuen Gitarristen. Zappa stieg ein und avancierte schnell zum Bandleader. Die Gruppe – ihr gehörten zu diesem Zeitpunkt die beiden Gründer Roy Estrada als Bassist und der Schlagzeuger Jimmy Carl Black sowie Ray Collins als Sänger und David Coronado als Saxophonist an – benannte sich mehrfach um. Zunächst in Captain Glasspack & His Magic Mufflers, dann am Muttertag 1964 in The Mothers. Der zwischenzeitlich hinzugekommene Gitarrist Henry Vestine wurde im Frühjahr 1966 durch Elliot Ingber ersetzt. Am 1. März 1966 erhielten die Mothers einen Plattenvertrag, gingen kurz darauf ins Studio, um ihr erstes Album Freak Out! aufzunehmen. Bevor dieses erscheinen konnte, musste sich die Gruppe auf Druck des Tonträgerunternehmens in The Mothers of Invention umbenennen. The Mothers of Invention Die Mothers of Invention bestanden über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren. In dieser Zeit war die Gruppe in 18 unterschiedlichen Besetzungen auf Tourneen zu sehen. Unter Berücksichtigung der „Hot Rats Band“ sowie der beiden verschieden besetzten Wazoo-Orchester waren es 21 Besetzungen, die allesamt jeweils nur für wenige Konzerte bestanden. Schon die fünfköpfige Urbesetzung wurde während der Studioaufnahmen für das Debütalbum von Dutzenden weiterer Musiker unterstützt. Überdies veränderte Zappa die Formation bereits nach wenigen Konzerten: Der Gitarrist Elliot Ingber musste gehen, Don Preston, Bunk Gardner, Ian Underwood, Billy Mundi und Jim „Motorhead“ Sherwood kamen hinzu. In der Vielzahl der Ensembles kristallisieren sich dennoch fünf Grundformationen heraus. Außer von Zappa hing das Spielvermögen der Livebands immer auch von den Fähigkeiten der für Zappas Musik wichtigen Rhythmusgruppe ab, und dort insbesondere vom Schlagzeuger. Jimmy Carl Black war bis zum Herbst 1969 Schlagzeuger der ersten fünf Mothers-Formationen. Sein Spiel bot das Fundament, auf dem unter anderem Don Preston, Ian Underwood, Bunk Gardner und Zappa ihre musikalischen Experimente und ausgedehnten Improvisationen aufbauen konnten. Zusammengehalten wurden die für diese Mothers-Epoche typischen ausgedehnten, freien Musik- und Musiktheaterteile durch den von Zappa locker gesetzten kompositorischen Rahmen. Bezeichnend für diese Phase sind die Mothers-Auftritte im New Yorker Garrick Theatre, wo die Band vom 23. März bis zum 5. September 1967 mit kurzen Unterbrechungen wochentags zweimal, an den Wochenendtagen dreimal das Rockmusical Pigs & Repugnant (Schweine und Widerlinge) aufführte. Die Theaterperformance nach Happening-Art bot allerlei Scheußlichkeiten, derben Humor, gesellschaftskritische Seitenhiebe, Musikparodien und vieles mehr – unter anderem im Juli 1967 einen Gastauftritt von Jimi Hendrix. Für manche Kritiker waren die Shows nichts als „heiße Luft“, für andere dagegen „brillant bis großartig-fantastisch“. Freak Out!, das erste Album, das die Mothers of Invention 1966 veröffentlichten, war gleich ein aufwändig mit Begleittext versehenes Doppelalbum. Der Musikkritiker Mike Fish bezeichnet es als „eines der blendendsten Debüts“: Die Platte enthält Satire und politische Kritik genauso wie Bezüge zum Doo Wop und zum Rhythm and Blues sowie autobiografische Referenzen. Eine ganze Langspielplattenseite verwendete Zappa auf eine perkussive Improvisation, gemischt mit Textkollagen und unartikulierten Lauten. Das 1968 erschienene Album We’re Only in It for the Money wurde als „erbarmungslose dunkle, wütende und düstere Antwort auf Sergeant Pepper“ bezeichnet und zeigt deutlich Zappas Rolle als Teil der Gegenkultur. Falsche Hippies werden parodiert, auch die Erschießung protestierender Jugendlicher durch die Polizei wird Thema. Im September 1968 traten Zappa und die Mothers of Invention zum ersten Mal vor einem deutschen Publikum bei den Internationalen Essener Songtagen auf. Nachdem im April 1969 auf dem Mothers-Album Uncle Meat schon Jazzrock-Passagen aufgetaucht waren, löste Zappa die Mothers im August auf und veröffentlichte ohne sie (abgesehen von Ian Underwood) im Oktober das Album Hot Rats. Es gilt als eines der ersten Jazzrock-Alben überhaupt. Mit 200 Motels stellte Zappa ein viersätziges Werk für Orchester und Rockband als Beitrag für das Musikfestival Contempo ’70 an der University of California zusammen. Es wurde am 15. Mai 1970 im Pauley Pavilion uraufgeführt. Mitwirkende waren die Mothers und das Los Angeles Philharmonic Orchestra, dirigiert von Zubin Mehta. Aus Kostengründen wurden nur die Sätze eins, drei und vier dieses Werkes gespielt, mit dem Zappa ausprobieren wollte, „wie die Musik klingt, die ich in Motels [Anm.: während der Tourneen der Vorjahre] geschrieben habe“.[27] Als Schlagzeuger wirkte an diesem Projekt der von der Rockmusik her kommende britische Schlagzeuger Aynsley Dunbar mit. In der Folge gehörte er den Mothers-Formationen sechs bis neun an. Die Musik wurde insgesamt straffer und rockiger. Als mit Bandversion Nr. 7 auch die ehemaligen Turtles-Leadsänger Mark Volman und Howard Kaylan zu den Mothers stießen, begann die Mothers-Epoche, die als „Vaudeville-Band“ bekannt wurde. Die Bühnenshows bis Ende 1971 waren auf das darstellerische und satirische Vermögen dieser beiden versierten Frontleute zugeschnitten. Zwei Zwischenfälle beendeten diese Mothers-Phase: Am 4. Dezember 1971 brach bei einem Konzert der Band im Casino Barrière in Montreux ein Brand aus, bei dem die gesamte Musikanlage der Band vernichtet wurde – das Deep-Purple-Stück Smoke on the Water erzählt davon. Wenige Tage später, am 10. Dezember, wurde Zappa bei einem Konzert im Rainbow Theatre in London von einem Besucher von der Bühne in den Orchestergraben gestoßen. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er neun Monate im Rollstuhl verbringen musste. In der Folge war eines seiner Beine verkürzt (das Lied Dancing Fool vom Album Sheik Yerbouti enthält eine Referenz auf diesen Umstand), und auch seine Stimme klang um eine Terz tiefer. Zappa musste die Konzerttournee abbrechen und die Band auflösen. Zappa verwirklichte 1972, zunächst noch im Rollstuhl sitzend, zwei weitere Soloprojekte: Waka/Jawaka und The Grand Wazoo. Erneut wandte er sich dem Jazz zu, von dem er einmal sagte: „Jazz is not dead, it just smells funny.“ (Jazz ist nicht tot, er riecht nur eigenartig).[29] Zappa stellte dieses ausgedehnte Jazzrock-Projekt, an dem auf der Bühne 20 Musiker mitwirkten, während einer zweiwöchigen USA- und Europatournee vor. Anschließend wurde die Tournee mit halber Besetzung („Petit Wazoo“) weitere sechs Wochen in Amerika fortgesetzt. Ab Februar 1973 war Ralph Humphrey (Band Nr. 10 bis 14), ab Oktober 1973 auch Chester Thompson (Band Nr. 12 bis 16) Schlagzeuger der Mothers. Mit dem Geiger Jean-Luc Ponty, dem Keyboarder George Duke, der Perkussionistin Ruth Underwood und dem Trompeter Sal Marquez wirkten zu dieser Zeit einige vielseitig begabte Musiker in der Gruppe mit. Dies ermöglichte es Zappa, sich Musik ganz anders als bisher zu nähern. In zugänglichem Ton, aber nicht ohne zappatypische Ingredienzen, verschmolz er kunstfertig komplexe Jazzrock-Arrangements, Funk und andere Musikstile zu kompakten, nur drei bis sechs Minuten langen Liedern: Das Album Over-Nite Sensation zeigt eine „virtuose außergewöhnliche Band“, die allerdings in den Augen eines Kritikers kontrastiert wird von „schorfigen, pornografischen Texten“. Das darauf folgende Album Apostrophe (’), das als Nonsens-Themenalbum über einen Eskimo im Juni 1974 Platz 10 der Billboard-Charts erreichte, wurde von dem Label DiscReet Records, das Zappa mitbegründete, herausgegeben. Letzter Schlagzeuger der Mothers (Nr. 17 und 18) war Terry Bozzio, der ab der USA-Tournee im Frühjahr 1975 dabei war. Für die Welttournee, die im Herbst 1975 begann und bis ins Frühjahr 1976 dauerte, baute Zappa die Mothers ein letztes Mal um: Dem zum Quintett geschrumpften Ensemble gehörten neben Zappa und Bozzio der Sänger und Saxofonist Napoleon Murphy Brock, der Keyboarder André Lewis sowie mit dem Bassisten Roy Estrada ein Mitglied der ersten Mothers-Formation an. Die Zappa-Bands Nach Auflösen der Mothers kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Zappa und Herb Cohen. Zappa hatte den langjährigen Manager entlassen, der daraufhin die Auslieferung des Albums Zoot Allures verzögerte. Um weiteren Schwierigkeiten mit Cohen aus dem Weg zu gehen, verzichtete Zappa auf den Gruppennamen The Mothers of Invention und trat fortan nur noch unter eigenem Namen auf. Bis auf Schlagzeuger Terry Bozzio tauschte Zappa das Personal für seine erste Band nach der Mothers-Ära komplett aus. Zur Besetzung der USA- und Kanadatournee im Herbst 1976 gehörten der Gitarrist und Sänger Ray White, die Sängerin und Keyboarderin Lady Bianca (alias Bianca Odin, alias Bianca Thornton),[32] der Keyboarder und Geiger Eddie Jobson sowie der Bassist Patrick O’Hearn. Die im Frühjahr 1977 folgende Europatournee fand ohne Lady Bianca statt. An der Nordamerikatournee Ende 1977 und der Europatournee im Frühjahr 1978 nahm Eddie Jobson nicht mehr teil, dafür waren neben den Keyboardern Tommy Mars und Peter Wolf auch der Gitarrist und Sänger Adrian Belew und der Perkussionist Ed Mann hinzugekommen. Vinnie Colaiuta war Schlagzeuger der Zappa-Band Nummer vier, die im Herbst 1978 auf Bühnen in Europa und Nordamerika auftrat. Terry Bozzio, Ray White und Adrian Belew waren gegangen. Neu dabei waren der Sänger und Gitarrist Ike Willis, der Slide-Gitarrist Denny Walley sowie der Bassist Arthur Barrow. Für die Europatournee des Frühjahres 1979 stieß Warren Cuccurullo zu dieser Gruppe. Ein Jahr später gehörte Peter Wolf nicht mehr dazu, Vinnie Colaiuta legte eine Tourneepause ein. Letzteren ersetzte Zappa in seiner Band Nummer sechs für die USA-Europa-Tournee im Frühjahr 1980 durch den Schlagzeuger David Logeman. Außerdem war Ray White wieder dabei. 1980 gelang Zappa auch mit Bobby Brown Goes Down (Album Sheik Yerbouti) ein Top-Ten-Hit (Platz 4 in den deutschen Charts), mit dem er nicht nur in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt wurde. Dieses Stück erreichte 1995 noch einmal Platz 32. Zur Wintertournee 1980 war Colaiuta zurückgekehrt, Band Nummer sieben gehörten außerdem der Gitarrist Steve Vai sowie der Keyboarder, Trompeter und Sänger Bob Harris an. Das Fundament für die letzten drei Zappa-Bands bildeten der Schlagzeuger Chad Wackerman sowie der Bassist Scott Thunes, die Vinnie Colaiuta und Arthur Barrow seit der Herbsttournee 1981 durch Amerika abgelöst hatten. An die Stelle von Bob Harris trat in Band Nummer 8 der Keyboarder, Saxophonist und Sänger Bobby Martin. Für die vom Sommer bis zum Winter 1984 andauernde Tournee durch Nordamerika und Europa veränderte sich die Besetzung der neunten Band kaum. Mit Napoleon Murphy Brock gab ein ehemaliges Mothers-Mitglied ein gerade zweiwöchiges Gastspiel. Der Keyboarder Allan Zavod ersetzte Tommy Mars. Im Februar 1988 ging zum letzten Mal eine Zappa-Band auf Tournee, die bis zum Juni des Jahres durch Nordamerika und Europa führte. Zappa hatte sein zehntes Ensemble erheblich verstärkt und zu einer Rockgruppe mit Bigbandqualitäten ausgebaut. Zur zwölfköpfigen Band gehörten außer Zappa, Willis, Thunes, Wackerman und Martin auch der Gitarrist, Keyboarder und Sänger Mike Keneally, der Perkussionist Ed Mann, der Trompeter Walt Fowler, der Posaunist Bruce Fowler sowie die Saxophonisten Paul Carman, Albert Wing und Kurt McGettrick. Musik Zappas Kompositionen sind aufgrund einer Reihe unterschiedlicher Merkmale unverwechselbar. Die collagehafte und oft hoch komplexe Kompositionstechnik, die rhythmische Vielfalt der Kompositionen, die Stil-Anleihen in vielen Bereichen der E- und U-Musik, die immer wieder eingeflochtenen Musikzitate, das ironische und satirische Ausmaß in Musik und Text, die ausgeklügelten Arrangements – all das geht „über den engen Umkreis des als rocktypisch definierten Formenvorrats“ hinaus. Dabei montierte Zappa die verschiedenen Elemente in einen für ihn typischen Zusammenhang. Zappas Musikkonzept ist weiter gefasst als das im Rockgenre üblicherweise gebotene. Er komponierte und arrangierte nicht nur für die Rockband (auch wenn diese Arbeiten in seinem Gesamtwerk den größten Anteil haben), sondern auch für die jazzorientierte Big Band und für unterschiedlich zusammengestellte Orchester verschiedener Besetzungsstärke vom Kammerorchester bis hin zum Symphonieorchester. Dabei war Zappa offen für Einflüsse jedweder Art, machte Anleihen in den „unterschiedlichsten Formen und Stoffen“, benutzte wie selbstverständlich Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen und Gattungen. Trotz aller Verschiedenheit in den Arbeiten beispielsweise eines Edgar Varèse einerseits und den Liedern von R&B-Gruppen wie die Robins andererseits hielt Zappa beides für gute Musik; für ihn schien „die Seele aus der gleichen universellen Quelle zu kommen“. Ob Doo-Wop-Schlager oder Strawinsky-Strenge, bodenständiger Rhythm & Blues oder ausgelassener Spike-Jones-Klamauk, ob ungarische Folklore oder krachender Hardrock, minimalistische John-Cage-Klänge oder wilder Free Jazz – das alles und noch vieles mehr verband Zappa mit Humor und Ironie zu Kompositionen, deren Anliegen Volker Rebell darin sieht, „eingefahrene Hörgewohnheiten zu attackieren und zu verunsichern“. Zappa hatte für seine Arbeitsweise allerlei Fürsprecher – im popmusikalischen Sektor sowieso, aber auch im Bereich der zeitgenössischen Musik, wovon die gemeinsamen Projekte mit Zubin Mehta, Pierre Boulez oder Kent Nagano Zeugnis ablegen. Im Auftrag des Kronos Quartetts und des Aspen Bläserquintetts entstanden Kompositionen, mit dem Ensemble Modern studierte er im Rahmen des Projektes The Yellow Shark noch kurz vor seinem Tod 19 Kompositionen bis zur Aufführungsreife ein. Die posthum erschienene Zusammenstellung Strictly Genteel führt in Zappas Orchester-Œuvre ein. Der deutsche Musikkritiker Hans-Jürgen Schaal kommentierte diesen Werksausschnitt so: „Wir begegnen hier dem Vater von Punk und Postmoderne in Personalunion. Collage, Zitat und Parodie Auffällig ist Zappas collagenhafte Kompositionstechnik, bei der er seine Stücke in wochenlanger Detailarbeit mit musikalischen Schnipseln, Geräuschen oder Interview-Material durchsetzte. Rasend vorgetragene, auskomponierte Passagen lösen sich in zerbrechlich-wehmütigem Melodie-Wohlklang auf, der von mehreren gleichzeitig gespielten Rhythmen und gegenläufigen Melodien abgelöst wird, die zerrissen werden von elektronisch oder mit dem Tonband erzeugten Klangfetzen, um sich am Ende in höhnischem Bandgelächter aufzulösen. „Aberwitzig – aber witzig“ nennt der Musikjournalist Volker Rebell diese Kompositionstechnik, die sich in vielen Beispielen über Zappas gesamte Schaffensperiode hinweg findet. Der Soziologe Ronald Hitzler spricht von einem hohen Maß an Respektlosigkeit im Umgang mit Materialien, er konstatiert eine kontextuelle Dekonstruktion kanonisierter musikalischer Stile und Werte. In Zappas Montagen, die Hitzler als „zeit-kritisch-satirisch“ bezeichnet, löst sich die willkürliche Trennung zwischen den Gattungen und deren Limitierungen auf. Dabei greifen die Elemente in Zappas Kompositionen ineinander und parodieren einander. Zappa nutzt Musikzitate gekonnt als „exotische Versatzstücke im Mosaik der Rhythmen und (Dis-)harmonien“. Dies ist etwa zu erkennen in den Jazz-Anleihen in The Eric Dolphy Memorial Barbecue (Album Weasels Ripped My Flesh) und in Be-Bop Tango (of the Old Jazzmen’s Church) (Album Roxy and Elsewhere), in der Bob-Dylan-Persiflage in Flakes (Album Sheik Yerbouti), oder auch der Country-and-Western-Parodie in Harder Than Your Husband (Album You Are What You Is). Auch eigene Stücke und Kompositionen werden immer wieder zitiert und neu interpretiert. Ästhetisch unterstreicht das Zitat beabsichtigte Aussagen und dient damit als Zusatz-Kommentar oder ironisch oder parodistisch als Anspielung auf „Wissenssedimente“. Der Textautor So witzig sie im Detail sein können, so viel Widerspruch sie des Öfteren ausgelöst haben – Zappas Texte spielen in der Gesamtheit seines Schaffens eine eher untergeordnete Rolle. Diese für unvermeidliches Beiwerk haltend, sagte er dazu: „Ich erhebe nicht den Anspruch, ein Dichter zu sein. Meine Texte dienen allein der Unterhaltung und sind nicht zur inneren Anwendung gedacht.“ So betrachtet, haben sie ihre Funktion allerdings erfüllt. Zappas Vorgehensweise als Texter war, wie auch bei seinen Kompositionen, eine differenzierte. Der Haltung etlicher Kabarettisten seiner Zeit folgend, kümmerte auch Zappa sich in seinen Beiträgen nicht um die großen Linien der Politik, was ihn im Einzelfall aber nicht hinderte, an von ihm ausgemachten Missständen in der Gesellschaft harsche Kritik zu üben. So brandmarkte er in Trouble Every Day (Album Freak Out!) die Rassenunruhen Mitte der 1960er-Jahre in Los Angeles und die Art und Weise, wie die Medien das Unglück anderer vermarkteten; er kommentierte seine Haltung im Stück selbst mit den Worten: “I’m not black. But there’s a whole lots a times, I wish I could say, I’m not white” („Ich bin kein Schwarzer, aber sehr oft wünschte ich mir sagen zu können, dass ich kein Weißer bin“). In dem Stück I’m the Slime vom Album Over-Nite Sensation betrachtete er die verführerische Allmacht des Fernsehens, die für ihn wie Schleim aus den Fernsehgeräten quillt. Er beschrieb nicht nur die Wirkmechanismen des Mediums mit den Worten “I may be vile and pernicious, but you can’t look away” („Ich mag abscheulich und schädlich sein, aber ihr könnt nicht wegsehen“), sondern nannte auch deren Nutznießer: “I am the tool of the government and industry too, for I am destined to rule and regulate you” („Ich bin das Werkzeug der Regierung und auch der Industrie, und ich bin dazu da, euch zu beherrschen und euer Verhalten zu bestimmen“). In Dumb All Over und Heavenly Bank Account (beide auf dem Album You Are What You Is) brandmarkte er die Geldgier amerikanischer Fernseh-Evangelisten, deren Verflechtungen mit der Politik und ihren Einfluss auf die Gesellschaft. Zappas Fazit: „Religious fanatics can make it be all gone“ („Religiöse Fanatiker können alles ruinieren“). Zappa sah sich auch als Journalist, der über das Leben berichtet, so wie er es beobachtet. Dabei teilte er seine Beobachtungen schonungslos und ohne Rücksicht auf Tabus mit, wobei er jegliche Einordnung und Bewertung des Gesagten unterließ. Barry Miles nennt Zappas Sicht der Dinge „schonungslos satirisch“.[83] Seine Texte sind ironisch, oft auch zynisch. Zappa war geprägt durch die aufkeimende sexuelle Revolution und setzte sich auch in seinen Texten mit dem Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit der Sexualität auseinander. Dabei stellte er diese in der Regel klischeehaft und scherenschnittartig dar. Nicht nur in seinem bekannt gewordenen Auftritt in der CNN-Fernsehshow Crossfire bestand Zappa vehement auf dem im 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten jedermann zugebilligten Recht der freien Rede. Auch sein Auftritt bei der Kongressanhörung am 19. September 1985 zum geplanten Verbot pornografischer Textbeiträge auf Schallplatten ist vor diesem Hintergrund zu sehen – dabei ging es dort nicht einmal um Zappas Beiträge, sondern unter anderem um das Stück Darling Nikki von Prince. Zappa sagte: „Aus mehr besteht doch Amerika gar nicht: ausgedrehte Sexualbegierden und extremer Drogenkonsum.“[84] Zappa legte sich bei Themen mit sexuellem Bezug keine Beschränkungen auf. So besang er etwa in Catholic Girls (Album Joe’s Garage) sexuelle Erfahrungen von Jugendlichen in der Pubertät oder in Penis Dimension (Album Frank Zappa’s 200 Motels) die Einstellung von Männern und Frauen zu ihrem Penis bzw. ihren Brüsten. In Dinah-Moe Humm (Album Over-Nite Sensation) ging es um Gruppensex und Voyeurismus, in Brown Shoes Don’t Make It (Album Absolutely Free) um die Phantasien eines Politikers über inzestuösen Sex mit der minderjährigen eigenen Tochter und in Crew Slut (Album Joe’s Garage) um die Beziehungen zwischen Bandmitgliedern und Groupies. In Bobby Brown Goes Down (Album Sheik Yerbouti) machte er Sexspielzeuge (den „Tower of Power“) und urophile Sexualpraktiken („golden shower“) zum Thema ebenso wie Stereotype über Homosexuelle. Auch über Geschlechtskrankheiten singt Zappa in Why Does It Hurt When I Pee? (Album Joe’s Garage). Zappa sah und beschrieb all das, ohne es zu kommentieren, er distanzierte sich auch nicht. Ihm wurde wegen dieser Haltung oft Sexismus und Frauenfeindlichkeit vorgeworfen, und er war deshalb auch bei Musikkritikern umstritten. Barry Miles kritisierte etwa an dem Stück Fine Girl (Album Tinsel Town Rebellion), dass es eine „Beleidigung der schwarzen Bevölkerungsgruppe darstelle“ und sah dem Stück Zappas krasse Abneigung der Frauenbewegung zugrunde liegen. Kelly Fisher Lowe hingegen hält das Stück für dermaßen übertrieben, dass er von einer Parodie ausgeht. Der Schriftsteller Carl-Ludwig Reichert bemerkt, dass Zappas „Sexual-Satiren“, die auf Empirie und Beobachtung der Realität beruhen würden, oft mit Pornographie verwechselt worden seien. Auch am Stück Easy Meat vom gleichen Album, in dem eine Frau als „easy meat“, auf Deutsch etwa „leichte Beute/Frischfleisch“ beschrieben wird, scheiden sich die Geister. Während Miles in dem Lied eine abfällige Attacke auf Frauen sieht und eine tief verwurzelte Doppelmoral bei Zappa konstatiert, sieht Lowe in dem Stück den „Stein von Rosetta“ für die Zappa-Kritik. Er verweist darauf, dass auch die beschriebene Frau die Kontrolle über ihre Sexualität ausübt und eigene Wünsche formuliert, und dass verschiedene Kritiker das Stück vollkommen unterschiedlich interpretieren. Jeder könne in das Stück das hineinlesen, was er wolle. Zappa verteidigte sich gegen Anwürfe stets, dass er seine Aufgabe in „sozialer Dokumentation sehe“ und wird darin von Ben Watson unterstützt, für den Zappas Darstellung von „Menschen und Orten, von denen der ‚gebildete Mensch‘ nichts wissen will“ auch dessen „humorlosen, sexistischen Schrott“ rechtfertigt. Auch anderen Themenbereichen näherte sich Zappa, indem er sie – eher belustigt – beschrieb. In Cosmik Debris (Album Apostrophe (’)) behandelte er den aufkommenden Esoterikboom, indem er ein Gespräch mit einem der hochstaplerischen „Gurus“ beschreibt, in dem dieser vergeblich versucht, dem Ich-Erzähler esoterischen „mumbo jumbo“ zu verkaufen. Das Stück Valley Girl (Album Ship Arriving Too Late to Save a Drowning Witch), zu dem Zappas Tochter Moon den Text beigetragen hatte, beschrieb den selbstverliebten Szenejargon unreifer Teenies der besseren Gesellschaft und erreichte in den Billboard Charts Platz 32. Oft widmete sich Zappa auch Zeiterscheinungen, so beispielsweise der Hippiekultur (Flower Punk, Album We’re Only in It for the Money), der Discoszene (Disco Boy, Album Zoot Allures) oder den Yuppies (Yo Cats, Album Frank Zappa Meets The Mothers Of Prevention). Zappa hatte ein ausgeprägtes Faible für Dadaismus und für Absurdes, welches sich auch in seinen Texten widerspiegelte. So schilderte er in Montana (Album Over-Nite Sensation) den Wunsch, als Landwirt durch die weite Landschaft reitend mit einer großen strassbesetzten Pinzette Zahnseide zu ernten. In der Eskimo-Suite (Album Apostrophe (’)) erzählt er die Geschichte des jungen Eskimos Nanook, der sich an einem Robbenjäger rächt, indem er ihn mit Schnee blendet, der mit Husky-Urin versetzt ist. Das Stück The Dangerous Kitchen vom Album The Man from Utopia setzt sich mit absurden Bedrohungen auseinander, die im Abfluss einer Küchenspüle lauern können. „Er nimmt sich des Alltäglichen an, überhöht es, lädt es mit Bedeutung auf und macht es derart zum Symbol für das Menschliche an sich“, beschreibt Barry Miles für dieses St
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